
Villa Epecuén, die Ruinen der versunkenen Stadt
Villa Epecuén ist ein verlassener Touristenort im Partido Adolfo Alsina in der Provinz Buenos Aires, etwa 7 km nördlich von Carhué am Ufer des Lago Epecuén. 1985 überflutete ihn ein Hochwasser; als sich das Wasser zurückzog, wurden die Ruinen zu einem der eindrucksvollsten Ziele abseits der Pfade in Argentinien.
Sie war ein Badeort mit Tausenden Gästen jeden Sommer, bis das Wasser sie 1985 ganz bedeckte. Rund zwei Jahrzehnte später zog sich der See zurück und gab Straßen, tote Bäume und salzverkrustete Ruinen frei.
Die Geschichte von Villa Epecuén
Das Wasser des Lago Epecuén ist so salzhaltig, dass man es mit dem des Toten Meeres verglich, und das weckte früh touristisches und medizinisches Interesse. Der Ort entstand am 23. Januar 1921, als Arturo Vatteone das erste Bad am See eröffnete, rund 7 km von Carhué entfernt. Er hieß zunächst Mar de Epecuén, und das Land wurde sogleich parzelliert. Die Eisenbahn half: Der Bahnhof Villa Epecuén wurde von der Ferrocarril Oeste (heute Sarmiento) bedient, während die Midland und die Ferrocarril del Sud Fahrgäste ins benachbarte Carhué brachten.
Das Wachstum war stetig. Es entstanden Hotels, Luxusvillen und Betriebe zur Gewinnung und Verarbeitung von Salz, und um 1930 besaß der Ort alle Einrichtungen einer dauerhaften Siedlung. In der Blütezeit zwischen den 1950er und 1970er Jahren kamen im Sommer rund 25.000 Gäste, es gab Tausende Hotelbetten und 250 bis 280 Geschäfte, während die ständige Bevölkerung bei etwa 1.200 bis 1.500 Menschen lag.
Das Problem kam vom See selbst, dessen schwankender Wasserstand dem Tourismus schadete. 1975 baute die Provinzregierung den Ameghino-Kanal, der Becken verbinden und das Wasser der Seen der Region regulieren sollte; die Arbeiten blieben 1976 jedoch unvollendet. Ab 1980 wurden die Regenfälle immer stärker: Der See stieg um 50 bis 60 Zentimeter im Jahr und drohte den vier Meter hohen Schutzwall zu überspülen. 1985 erlebte die Provinz zudem eine der schlimmsten Überschwemmungen ihrer Geschichte.
Im November 1985 gab der Wall bei einem starken Anstieg nach, und das Wasser drang in den Ort. Die vollständige Evakuierung dauerte etwa fünfzehn Tage und forderte nach den Quellen keine Todesopfer. Der Pegel stieg langsam und stetig, und die Ruinen blieben rund 25 Jahre lang überflutet; für den Höchststand nennen die Quellen zwischen sieben und zehn Metern Tiefe. Die knapp 1.500 ständigen Bewohner verloren alles.
Ab 2009 begann sich das Wasser zurückzuziehen und gab den Straßenverlauf, den Damm, tote Bäume, rostende Fahrzeuge und die Reste von Häusern und Hotels frei, alle von einer weiß-grauen Salzschicht überzogen. In jenem Jahr zog Pablo Novak, geboren 1930, wieder in die Ruinen und galt bis zu seinem Tod am 22. Januar 2024 als letzter Bewohner; danach wurde der Ort offiziell zur Geisterortschaft erklärt.
Wissenswertes über Villa Epecuén
- Der Name stammt aus der Sprache der Mapuche, doch seine Bedeutung ist umstritten: Eine verbreitete Deutung verbindet ihn mit "epe" (fast) und "cuen" (rösten) wegen des Weiß des Salzes; andere lesen "ewiger Frühling" oder "Aschenblüte".
- Das Seewasser hat einen Salzgehalt, der dem des Toten Meeres nahekommt, und wurde deshalb jahrzehntelang als Heilwasser beworben.
- Nach einer deutschen Quelle verstärkte sich der Boom im Zweiten Weltkrieg, als die Kurorte Europas für Reisende aus Südamerika unerreichbar wurden.
- Pablo Novak durchstreifte den zerstörten Ort mit seinem Hund Chozno und seinem alten Fahrrad; seine Geschichte inspirierte den Dokumentarfilm Pablo's Villa von 2013.
- Viele Alltagsgegenstände wie Möbel, Spielzeug und Werbetafeln blieben unter dem Salz erhalten und lassen den Ort wie eine Momentaufnahme des Unglückstags wirken.
- Am Ortsrand ist die Ruine des ehemaligen Schlachthofs ein beliebtes Fotomotiv.
Gedreht in Villa Epecuén
Die Atmosphäre einer Geisterstadt zog Filmproduktionen an. Laut Wikipedia wurden diese Filme vor Ort gedreht.
- And Soon the Darkness (2010) – Der Ort diente als Drehort dieses Films.
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Villa Epecuén besuchen
- Die Ruinen liegen am Ufer des Lago Epecuén, etwa 7 km nördlich von Carhué, der nächsten Stadt, und werden im Freien erkundet.
- Noch immer erkennt man den Straßenverlauf, den Schutzdamm und die Reste von Häusern, Hotels und markanten Gebäuden.
- Der Ort ist ein häufiges Ziel von Fotografen, Journalisten und Reisenden aus vielen Ländern.
- Die Familie von Pablo Novak pflegt das Haus, in dem er lebte, und Besuche sind möglich; die aktuellen Bedingungen sollte man vorab prüfen.
- Die Quellen nennen keine Öffnungszeiten oder Zugangsregeln, daher vor der Reise erkundigen.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Villa Epecuén
Fotos: Villa Epecuén





Fragen
Was ist Villa Epecuén?
Ein ehemaliger Touristenort in der Provinz Buenos Aires, 1921 am Ufer des Lago Epecuén gegründet. 1985 wurde er überflutet und wird heute als Ruinenfeld besucht.
Wo liegt Villa Epecuén?
Im Partido Adolfo Alsina in der Provinz Buenos Aires, etwa 7 km nördlich der Stadt Carhué.
Warum versank Villa Epecuén im Wasser?
Im November 1985 gab nach Jahren starker Regenfälle und eines stetig steigenden Sees der Schutzwall des Ortes nach, und das Wasser bedeckte ihn.
Wie lange war der Ort überflutet?
Rund 25 Jahre. Seit 2009 zieht sich das Wasser zurück und gibt die Ruinen frei.
Wohnt jemand in Villa Epecuén?
Der letzte Bewohner, Pablo Novak, starb am 22. Januar 2024; der Ort wurde offiziell zur Geisterortschaft erklärt.
Welche Filme wurden in Villa Epecuén gedreht?
Laut Wikipedia entstanden dort Los Olvidados (2017) und And Soon the Darkness (2010).
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