
Schwebefähre Nicolás Avellaneda, der Eisenriese am Riachuelo
Die Schwebefähre Nicolás Avellaneda (Puente Transbordador) überquert den Riachuelo zwischen dem Stadtteil La Boca von Buenos Aires und der Isla Maciel in Avellaneda. Das gewaltige Eisengerüst von 1914 ist ein Nationaldenkmal und eines der bekanntesten Bilder der Stadt: ein Ziel für alle, die Orte abseits der Pfade in Buenos Aires suchen.
1993 sollte sie als Altmetall verkauft werden. Heute ist sie eine von nur acht noch erhaltenen Schwebefähren der Welt und die einzige in Amerika.
Die Geschichte der Schwebefähre Nicolás Avellaneda
1908 genehmigte die argentinische Regierung der Ferrocarril del Sud, einer Gesellschaft mit englischem Kapital und hohen Investitionen im Hafen des Riachuelo, eine Querung zwischen La Boca und der Isla Maciel. Ihr gingen lange, 1901 begonnene Verhandlungen über die festen Brücken der Gesellschaft voraus, die Schiffen auf einem Fluss im Weg waren, den der Staat zu einem Industriekanal ausbauen wollte. Geplant war zunächst eine Klappbrücke für den Fahrzeugverkehr, doch ihr Pfeiler im Wasser hätte die Hafeneinfahrt behindert. Ein Dekret erlaubte deshalb im selben Jahr, sie durch eine elektrische Schwebefähre zu ersetzen, eine Technik, die in einigen Häfen der Welt schon im Einsatz war.
Das eiserne Tragwerk wurde bei einer englischen Firma gekauft und per Schiff geliefert; die Fundamente der Türme, acht Zylinder, die 24 Meter tief in den Sand der Ufer reichen, entstanden im Land. Der obere Träger misst 77,5 Meter entlang des Flusses; an ihm hängt an Seilen eine bewegliche Plattform von 8 mal 12 Metern für Fußgänger, Fuhrwerke, Autos und Straßenbahnen. Der Antrieb bestand aus zwei Motoren mit je 50 PS, einem Hauptmotor und einem Reservemotor. Die Schwebefähre wurde am 31. Mai 1914 eingeweiht.
Bis dahin hatten die Arbeiter des Dock Sud, der Kohlelager, der Werften, des Kraftwerks CATE und des Fleischkombinats Anglo den Riachuelo mit Booten überquert. Die Fähre beförderte bald bis zu 17.000 Menschen am Tag. Um 1940 eröffnete daneben eine neue Brücke aus Stahlbeton, die einen flüssigeren Verkehr erlaubte, und die Fahrten nahmen ab; in den 1960er Jahren wurde der Betrieb eingestellt, und das Gerüst verfiel mit dem Niedergang des Hafens.
1993 ordnete ein nationales Dekret an, mehrere ungenutzte Brücken des Riachuelo als Schrott zu verkaufen, darunter die Schwebefähre. Der Architekt Carlos Mario Pasqualini, ein Anwohner von La Boca, führte gemeinsam mit Nachbarschaftsvereinen eine Kampagne an, die den Abbau verhinderte. 1995 wurde sie von der Stadt Buenos Aires zum Sitio de Interés Cultural erklärt, 1999 zum Monumento Histórico Nacional.
2013 begann die nationale Straßenbehörde mit der Restaurierung, die Entwurf und Materialien des Originals respektierte; sie umfasste die Überholung des Mechanismus sowie das Sandstrahlen und Streichen des Gerüsts. Die Arbeiten endeten 2017, und die Fähre wurde in jenem Jahr wiedereröffnet; die konsultierten Quellen nennen unterschiedliche Daten für die Öffnung für Besucher. Ihre gewaltige Silhouette über den niedrigen Häusern des Viertels inspirierte die Maler von La Boca, darunter Benito Quinquela Martín, Fortunato Lacámera und José Luis Menghi.
Wissenswertes über die Schwebefähre Nicolás Avellaneda
- Sie ist eine von acht noch erhaltenen Schwebefähren der Welt und die einzige auf dem amerikanischen Kontinent.
- Einst gab es weltweit 21 Schwebefähren; heute stehen nur noch acht.
- Die übergroße Dimension war kein Zufall: Wegen des verwendeten Eisens geringer Festigkeit wurde mit einem hohen Sicherheitsbeiwert gerechnet, und das Gerüst ragte weit über die Häuser und Fabriken der Umgebung hinaus.
- Am selben Fluss entstanden zwei weitere Schwebefähren: die Luis Sáenz Peña (1913) an der Calle Garibaldi und die General Urquiza oder Patricios (1915).
- Schönheit war nie das Ziel: Das Bauwerk folgte den technischen Anforderungen des Hafens und wurde dennoch zur bekanntesten Brücke der Landschaft am Riachuelo.
- Der Name erinnert an Nicolás Avellaneda, den früheren argentinischen Präsidenten, nach dem auch der Partido Avellaneda am anderen Ufer benannt ist.
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Die Schwebefähre Nicolás Avellaneda besuchen
- Die Brücke verbindet die Avenida Almirante Brown in La Boca mit der Avenida La Plata auf der Isla Maciel; sie ist von beiden Ufern aus zu sehen.
- Sie wurde für den Tourismus wiedereröffnet, doch die Quellen widersprechen sich bei den Daten und beschreiben den heutigen Betrieb nicht: Vorab sollte man prüfen, ob man hinaufsteigen oder übersetzen kann und zu welchen Zeiten.
- Rund 100 Meter entfernt steht die Brücke Nicolás Avellaneda von 1940 aus Stahlbeton, die den Alltagsverkehr von der Schwebefähre übernahm.
- Caminito und die Usina del Arte liegen etwa einen Kilometer entfernt und lassen sich gut in einen Spaziergang durch La Boca einbinden.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Puente Transbordador Nicolás Avellaneda
Fotos: Puente Transbordador Nicolás Avellaneda





Fragen
Was ist die Schwebefähre Nicolás Avellaneda?
Eine eiserne Schwebefähre von 1914, die den Riachuelo zwischen La Boca und der Isla Maciel überquert. Eine hängende Plattform beförderte Menschen und Fahrzeuge von einem Ufer zum anderen.
Wo liegt die Schwebefähre?
Über dem Riachuelo, zwischen dem Stadtteil La Boca von Buenos Aires und der Isla Maciel in Avellaneda.
Wann wurde die Schwebefähre gebaut?
Sie wurde 1908 genehmigt und am 31. Mai 1914 eingeweiht. Gebaut wurde sie von der Ferrocarril del Sud.
Warum wurde der Betrieb eingestellt?
Nachdem 1940 daneben eine neue Stahlbetonbrücke eröffnet worden war, verlor die Fähre an Bedeutung; seit den 1960er Jahren stand sie still, während der Hafen am Riachuelo verfiel.
Wurde sie vor dem Abriss gerettet?
Ja. 1993 stand sie auf der Liste der Brücken, die als Schrott verkauft werden sollten, doch eine Bürgerkampagne verhinderte das; 1995 wurde sie Sitio de Interés Cultural, 1999 Monumento Histórico Nacional.
Kann man die Schwebefähre heute besuchen?
Sie wurde bis 2017 restauriert und für den Tourismus wiedereröffnet, wobei die Quellen bei den Daten abweichen. Vorab prüfen, ob sie geöffnet ist und zu welchen Zeiten.
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